Forschungsprojekt
Versorgungssicherheit mit pflanzlichem Eiweiß in Österreich
Projektnummer: AWI167/09
Projektbearbeiter: Pistrich, K.; Janetschek, H.; Neuwirth, J.; Hambrusch, J.; Wendtner, S.
Projektpartner: BMLFUW, Abt. III/9; Geplant: AMA; WKÖ; STAT; Bio Austria; LKÖ; AGES
Zeitraum: 2009 - 2012
Projektbeschreibung:
Österreich weist hinsichtlich der Versorgung mit pflanzlichem Eiweiß, vor allem für Fütterungszwecke, eine Lücke auf. Diese Lücke wird mit Importen geschlossen, wobei es sich zum überwiegenden Teil um Sojaimporte bzw. verschiedener Verarbeitungsprodukte daraus - großteils aus GV-Anbau - handelt. Soja ist ein wichtiges Eiweißfuttermittel mit essenziellen, also für die Tierernährung aller Haustiere bedeutsamen Aminosäuren, die nicht vom Tierkörper selbst synthetisiert werden können und daher über die Nahrung zugeführt werden müssen. Laut österreichischer Außenhandelsstatistik wurden im Jahr 2007 etwa 452.000 t Ölkuchen und andere feste Rückstände aus der Sojaölgewinnung sowie rund 98.000 t Sojabohnen (auch in geschroteter Form) und 9.700 t Sojamehl nach Österreich importiert. Demgegenüber steht eine inländische Sojaproduktion von etwa 53.000 t. Schätzungsweise gehen etwa 60 % der heimischen Sojaproduktion in die Futtermittelherstellung, woraus sich ein Inlandsanteil von etwa 4,7 % an den Sojaimporten errechnet (Umrechnungsfaktor Sojabohne : Sojaextraktionsschrot = 1 : 0,8). Darüber hinaus ist der Anbau von Körnererbse und Ackerbohnen rückläufig. Der Futterwert dieser Arten ist allerdings niedriger einzustufen als von Sojabohne. Das Absenken der zulässigen Anteile an konventionellen Futtermitteln im biologischen Landbau gemäß der EU-Bioverordnung 2092/91 verschärft das Problem der Eiweißversorgung zusätzlich. Demzufolge wird die Versorgungslage mit pflanzlichem Eiweiß in der Biolandwirtschaft eingehend untersucht werden. Ein weiterer Aspekt betrifft die Verpflichtung Österreichs im Rahmen der EU-Biokraftstoff- Richtlinie, 5,75 % Biokraftstoffe bis 2010 beizumischen (in Österreich bereits ab Oktober 2008 erfüllt). Diese Verpflichtung führt zu einer Steigerung des Bedarfs an Öl- bzw. Eiweißpflanzen. Der sich daraus ergebende Ausbau der Biodiesel- und Bioethanolproduktion (Rapsexpeller bzw. DDSG Distillers Dried Grains with Solubles) könnte zu einer mengenmäßigen Verringerung der heimischen Eiweißlücke beitragen, allerdings ist der Einsatz bei einzelnen Tierarten (Schweine, Geflügel) aus ernährungsphysiologischen Gründen eingeschränkt. Alternative Möglichkeiten zur Erhöhung der Selbstversorgung mit Eiweißfuttermittel umfassen eine Ausweitung der Anbauflächen in Frage kommender Kulturen. Vor dem Hintergrund der eingangs erwähnten Entwicklungen und Fakten, der Diskussion um die Verwendung und den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen sowie dem bestehenden Wunsch der Mehrheit der österreichischen Bevölkerung nach Gentechnikfreiheit in der Landwirtschaft und der Ernährung, kristallisierte sich der Bedarf einer umfassenden Studie über die Versorgungssicherheit mit Eiweiß aus Ackerfrüchten in Österreich heraus. Soja und deren Verarbeitungs- und Nebenprodukten wird dabei das Hauptaugenmerk geschenkt. Im Wesentlichen geht es in der Studie um die Möglichkeiten einer Erhöhung der Selbstversorgung Österreichs mit Eiweiß aus Ackerfrüchten, welche Potentiale diesbezüglich vorhanden sind und welche Maßnahmen gesetzt werden müssten, um eine höhere Inlandsversorgung zu erreichen.
