Tätigkeitsbericht 2012

Der Tätigkeitsbericht 2012 beinhaltet: >

Forschungsprojekt

Green Care/Soziale Landwirtschaft und ihre Bedeutung für die lo-kale Ökonomie und Sozialkapital in peripheren ländlichen Regionen


Projektnummer: AWI/170/11

Projektbearbeiter: Wiesinger, G.; Hambrusch, J.; Quendler, E.

Projektpartner: Bundesanstalt für Bergbauernfragen, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon für die Schweiz, BOaS Büro für die Organisation angewandter Sozialforschung Wien

Zeitraum: 2011 - 2013

Projektbeschreibung: 

Unter Green Care, wörtlich übersetzt als "grüne Pflege", versteht man alle gesundheitsvorsorgenden oder gesundheitsfördernden Interventionen für Menschen mit Hilfe von Tieren, Pflanzen, und Natur. Das Ziel ist es, das soziale, körperliche, geistige, und/oder pädagogische Wohlergehen eines Menschen zu unterstützen oder zu verbessern. Über den positiven bzw. heilenden Einfluss der Natur sollen die menschliche Gesundheit, das Wohlergehen und die Lebensqualität gefördert werden. Green Care soll traditionelle Gesundheitsleistungen nicht ersetzen sondern ein spezifisches ergän-zendes Angebot schaffen. Im Fokus stehen dabei landwirtschaftliche Betriebe, mit den dort befindlichen Pflanzen und Tieren aber auch Gärten, Wälder, Landschaften oder städtische Freiräume. Unter dem Überbegriff Green Care findet sich ein breites Spektrum von Maßnahmen, die allesamt belebte (Tiere, Pflanzen), bzw. unbelebte Naturelemente (Wasser, Steine) involvieren, wie Soziale Landwirtschaft, Pflege- und Betreuung auf landwirtschaftlichen Betrieben (Care Farming), Pflanzen- und Tiergestützte Therapie und Pädagogik, Gartentherapie usw. Green Care und Soziale Landwirtschaft haben verschiedene Dimensionen, die verschiedene Gruppen von KlientInnen in unterschiedlichster Weise ansprechen.

Green Care kann im Konzept einer multifunktionalen Landwirtschaft eine besondere Bedeutung bei-gemessen werden. Die Erbringung sozialer Leistungen kann eine neue Einkommensperspektive für bestimmte landwirtschaftliche Betriebe sein. Der Einsatz von landwirtschaftlichen Tieren für therapeutische oder pädagogische Maßnahmen in Form der tiergestützten Therapie und Pädagogik eröffnet sinnvolle Aktivitäten und vielfältige soziale Interaktionen, die eine sehr positive Wirkung gerade in Hinblick auf die Entwicklung eines positiven Selbstwertgefühls und starken Selbstvertrauens, Aggressionsabbau, die Entwicklung von Konzentration, Verantwortung und Empathie haben. Empirische Studien belegen u.a. den positiven Einfluss von Hippotherapie auf die Lebensqualität, die Entwicklung des Selbstbewusstseins und sozialer Kompetenzen.

Für Green Care Maßnahmen kommen unterschiedliche Personenkreise als Zielgruppen in Frage. Psychisch, geistig und mehrfach behinderte Menschen gehören genauso dazu wie ältere und pflege-bedürftige Personen, Drogen- und Alkoholkranke, sozial auffällige Menschen, Personen mit Depressionen, Angstzuständen, Persönlichkeitsstörungen oder Lernschwierigkeiten, Burn-Out PatientInnen und jene, die sich nur schwer in die Gesellschaft integrieren lassen. Zu Green Care Projekten lassen sich aber auch Initiativen mit Kindergärten auf Bauernhöfen, Schul- und Gemeinschaftsgärten rechnen. Menschen mit migratorischem Hintergrund, soziale Randgruppen, Menschen im Strafvollzug, Haftentlassene, Missbrauchsopfern, Obdachlose und Langzeitarbeitslose lassen sich mit Green Care Aktivitäten leichter in die Gesellschaft (re)integrieren und gegenseitige Vorurteile können besser abgebaut werden. Green Care schafft eine soziale und natürliche Umgebung für sinnvolle Aktivitäten zur Förderung der allgemeinen Gesundheit. Personen können durch diese Aktivitäten persönliche Beziehungen und Freundschaften entwickeln, neue Fähigkeiten erlernen, eine höhere Lebensqualität und mehr Selbstständigkeit erlangen. Die zu erreichenden Ziele wie z.B. eine (Re-)Integration in den Arbeitsmarkt, Erlangung eines möglichst selbstständigen Lebens oder die Wiederherstellung sozialer Beziehungen, können für bestimmte Personen spezifisch ausgerichtet werden.

Das Konzept des Sozialkapitals im Sinne von Bourdieu (1979), Putnam (1993, 2000) oder Coleman (1988) befasst sich mit den Beziehungen zwischen Menschen und der Gesamtheit der aktuellen und potentiellen Ressourcen, die sich für die einzelne Person und die gesamte Gesellschaft durch die Teilhabe am Netz sozialer Beziehungen ergeben. Individuen erhalten durch diese Beziehungen Zu-gang zu bestimmten Ressourcen, Formen von Hilfestellungen und Unterstützung, Anerkennung oder Wissen. Sozialkapital kann gemessen werden u.a. durch die Teilnahme an gesellschaftlichen Grup-pen und sozialen Organisationen, am Ausmaß des gegenseitigen Vertrauens und an der freiwilligen Einhaltung bestimmter Normen.

Nutzende können auf unterschiedliche Weise ihr Sozialkapital durch Green Care-Aktivitäten erhöhen: Care Farming ermöglicht eine Teilhabe in Familie, Arbeit und Wohnen. Das soziale Kapital der betreuenden Familie kann für weitere Schritte zur sozialen Teilhabe genutzt werden: Nicht selten werden Arbeitsstellen und Wohnmöglichkeiten durch die betreuende Familie vermittelt.